PepIronie
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Weil die Wirklichkeit zu schade ist, um sie unkommentiert zu lassen.
Politik · 03Apr

Deutschland...

Von Pep Ironie

In Deutschland gibt es für alles eine Regel. Und für jede Regel gibt es eine Ausnahme. Und für jede Ausnahme gibt es wiederum eine Begründung, warum sie eigentlich die Regel ist. Willkommen im einzigen Land, in dem ein Gesetz so flexibel ist wie ein Yogalehrer im Schneidersitz. Das Prinzip ist einfach: Man schreibt ein Gesetz mit beeindruckender Strenge – und versieht es dann mit so vielen Hintertüren, dass selbst ein Einbrecher irgendwann höflich anklopft, weil er nicht mehr weiß, welche er nehmen soll.

Arbeitszeitgesetz – 8 Stunden, außer wenn nicht

Offiziell gilt: Acht Stunden Arbeit am Tag. Maximal zehn. Danach ist Schluss. Erholung. Feierabend. Regeneration. Inoffiziell gilt: Acht Stunden plus „nur noch kurz die Mail“, „ein kleines Meeting“, „dringende Deadline“ und „das klären wir schnell noch“. Am Ende kommt man auf Arbeitszeiten, bei denen selbst ein Marathonläufer fragt, ob man sich verlaufen hat. Das Arbeitszeitgesetz ist damit ungefähr so verbindlich wie ein Neujahrsvorsatz: Gut gemeint, selten eingehalten und jederzeit anpassbar, wenn es „gerade nicht passt“.

Bau- und Planungsrecht – Vorschrift trifft Vorschlag

Deutschland liebt Bauvorschriften. Es gibt Regeln für Abstände, Höhen, Farben, Fenstergrößen und vermutlich auch für die emotionale Ausstrahlung eines Carports. Und dann gibt es § 31 BauGB – die elegante Einladung zum kreativen Umgang mit all dem. Was als strikte Regel beginnt, endet oft als Vorschlag mit Interpretationsspielraum. Ein Bauprojekt hält sich an alle Vorschriften – außer an die, die im Weg sind. Das Ergebnis: Ein Gebäude, das laut Plan gar nicht existieren dürfte, aber irgendwie doch da steht. Wie ein Einhorn, nur mit Tiefgarage.

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